Prima Idee!

11 Sep, 2011

Wie umweltfreundlich sind unsere Parlamentarier?

Autor: Martin Sauter In: Gesellschaft

Umwelt-Rating: Bewertung des Abstimmungsverhaltens in Umweltfragen

Nachhaltigkeit kann man teilweise durch sein persönliches Verhalten ganz direkt fördern. Viele wichtige Entscheidungen werden allerdings nicht individuell, sondern kollektiv getroffen – durch Regierungen, Parlamente und Verwaltungen. Wer Nachhaltigkeit wichtig findet, muss sich also darüber Gedanken machen, welche Vertreter er in diese Gremien wählt.

Umweltetikette für Schweizer National- und Ständeräte Das Umwelt-Rating liefert Entscheidungsgrundlagen für die National- und Ständeratswahlen. Es bewertet das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier in den Themenbereichen Klima, Naturräume, Energie und Mobilität und generiert daraus eine Umweltetikette (vgl. Abbildung), welcher der Energieetikette nachempfunden ist. Hinter dem Rating stehen verschiedene grosse Umweltschutzorganisationen der Schweiz: Pro Natura, VCS, WWF, SES, Greenpeace und BirdLife.

Umweltpunkte-Deklaration der Swisscom

Mobiltelefone verbrauchen Energie und Rohstoffe. Und weil jährlich über eine Milliarde Geräte verkauft werden, ist deren Umweltverträglichkeit relevant. Als Konsument sucht man sein Gerät allerdings primär nach Funktionen und Preis aus, zumal Informationen über die Umweltverträglichkeit kaum zu bekommen sind.

Swisscom ergreift hier nun die Initiative und deklariert in Zukunft Handies mit Umweltpunkten. Die Bewertung erfolgt – basierend auf Herstellerangaben – durch die Stiftung MyClimate, dich sich im Bereich der CO2-Kompensation einen Namen gemacht hat. Die Kriterien sind

  • der Stromverbrauch im Betrieb
  • der Energieverbrauch bei der Herstellung (sogenannte graue Energie)
  • die enthaltenen Rohstoffe

Je mehr Punkte, desto besser – fehlen die Herstellerangaben (wie z.B. bei Apple), so gibt es die minimale Punktzahl und einen entsprechenden Hinweis.

Beispiel für fehlende Herstellerangaben

20 Aug, 2011

Reuse – Repair – Recycle!

Autor: Martin Sauter In: Recycling

Ausgetauschtes Vorderrad bei einem Miele 272i Staubsauger

Nicht mehr benötigte oder defekte Gegenstände zu rezyklieren ist zwar eine gute Idee, aber nicht zwangsläufig die beste. Auch Recycling beansprucht Ressourcen, und viel zu oft entsorgen wir Objekte, die entweder noch jemand anders hätte benutzen können oder die man mit vertretbarem Aufwand hätte reparieren können. “Reuse – Repair – Recycle!” lautet deshalb die Devise für nachhaltig denkende Konsumenten, und die Reihenfolge ist dabei alles andere als beliebig.

Nach meiner persönlichen Wahrnehmung werden in Industrienationen defekte Konsumgüter viel seltener repariert als noch vor ein paar Jahrzehnten. Der Satz, dass sich eine Reparatur nicht lohne, haben wir von umsatzorientierten Verkäufern schon so oft gehört, dass wir ihn selbst verinnerlicht haben uns meist gar nicht erst um eine Reparatur bemühen. Dabei bieten zumindest Markenhersteller vielfach über einen langen Zeitraum Ersatzteile für ihre Produkte an.

Altes (links) und neues Ohrpolster für einen Sennheiser HD 560  

Zwei positive Beispiele aus eigener persönlicher Erfahrung:

  • Unser Staubsauger, ein Miele 272i, leistet seit über 20 Jahren gute Dienste. Kürzlich brach allerdings das Vorderrad, das bei der Fahrt über die hohen Schwellen unserer Altbauwohnung besonders strapaziert wird. Ohne das Vorderrad jedoch hinterliess der Staubsauger hässliche Furchen im Parkett, und somit wäre er ein Fall für den Elektroschrott geworden, hätte Miele nicht das Vorderrad noch immer vorrätig gehabt. Statt ein paar hundert Franken für ein neues Gerät hat die Reparatur zudem nur sechzig Franken (Arbeit und Material) gekostet.
  • Auch mein Kopfhörer, ein Sennheiser HD 560 Ovation II, ist seit bald 20 Jahre in Gebrauch. Sein Klang ist unverändert hervorragend, aber die Ohrenpolster waren irgendwann dermassen verbraucht, dass der Tragekomfort massiv litt; ausserdem zerfielen die Schaumstoffabdeckungen buchstäblich zu Staub. Dank Internet waren jedoch neue Original-Ohrpolster rasch bestellt – und auch hier war der an sich stolze Preis (40 Euro inkl. Versand) weitaus günstiger als der Kauf eines neuen Kopfhörers mit vergleichbarer Qualität.

Eins muss man sich als Konsument allerdings bewusst sein: Die Entwicklung von reparaturfreundlichen Geräten, die Lagerhaltung von Ersatzteilen und der Betrieb eines Servicenetzes kostet Geld, und das schlägt sich im Kaufpreis der Produkte nieder. Wer nur Schnäppchen kauft darf sich nicht wundern, wenn er bei einem Defekt das gesamte Produkt ersetzen muss.

03 Jul, 2011

Verpackungsmaterial kompostieren statt verbrennen

Autor: Martin Sauter In: Recycling

Füllmaterial aus Eco-Foam

Viele elektronische Geräte werden in Verpackungen geliefert, die aus Polystrol bestehen. Je nach Land ist dieses Material unter Handelsbezeichnungen wie z.B. Styropor, Styrofoam oder Sagex bekannt. Polystrol schützt Produkte zuverlässig und ist dabei vergleichsweise leicht – ideal also, um Güter zu transportieren. In der Herstellung verschlingt dieser Kunststoff allerdings viel Erdöl, und gelangt er nach Gebrauch in die Umwelt, so ist er nicht abbaubar.

Kunststoffe aus Biomasse, die sich am Ende ihres Lebenszyklus kompostieren lassen, sind die Lösung für dieses Problem. Und sie sind bereits Realität: Das obige Füllmaterial beispielsweise heisst Eco-Foam und wird aus 100 Prozent Pflanzenstärke hergestellt – somit ist es biologisch abbaubar.

Ein anderer Ansatz heisst EcoCradle und wird mit Hilfe von Pilzen aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten gewonnen. Dass und wie das funktioniert, zeigt die Kurzpräsentation von Eben Bayer, CEO von Ecovative, im Rahmen der TED Talks.

 

21 Jun, 2011

Klimasünder Internet

Autor: Martin Sauter In: Energie|Internet & Informatik

Einst wurde das Internet als Mittel gepriesen, um Geschäftsreisen überflüssig zu machen. Inzwischen verursacht das Internet ähnlich viel CO2-Ausstoss wie der gesamte Flugverkehr. Dieses Video zeigt eindrücklich, was das Wachstum der weltweiten Datennetze und Rechenzentren für die Umwelt bedeutet – und welche Konzerne sich zumindest bemühen, ihren Stromhunger aus erneuerbaren Energiequellen zu decken.

04 Jun, 2011

Schönes bewirkt Gutes

Autor: Martin Sauter In: Sozialfirmen

Pflanzenbehälter aus Stahl (in diversen Massen erhältlich)

Der obige Blumentopf oder das unten gezeigte Brotbrett sind nur zwei Produkte aus dem reichhaltigen Angebot der Transitwerkstatt in Wil SG. Diese Werkstatt bietet Stellensuchenden einen auf 6 Monate befristeten Arbeitsplatz, wo sie unter normalen Arbeitsbedingungen in Handarbeit hochwertige Produkte herstellen. Das Einsatzprogramm Transit will dabei nicht nur das Fachwissen, sondern auch die Sozial- und Selbstkompetenz fördern und begleitet die Teilnehmer mit einem Bildungs- und Coaching-Programm. Das Endziel ist die Reintegration in den regulären Arbeitsmarkt.

Brotschneidebrett aus Buchen-, Eschen oder Eichenholz

Mr. Green: privater Abhol-Service für wiederverwertbare Abfälle

Mr. Green ist ein Startup-Unternehmen in Zürich, das die regelmässige Entsorgung von wiederverwertbaren Abfällen für Privathaushalte und Unternehmen übernimmt. Wenn also das Recycling daran zu scheitern droht, dass niemand das Sammelgut zur Sammelstelle bringt, dann ist dies ein Fall für Mr. Green. Das ist nicht nur bequem, sondern auch ökologisch sinnvoll, weil dadurch individuelle Fahrten zu den Sammelstellen eingespart werden.

Wie funktioniert das? Mr. Green stellt sogenannte Green Bags zur Verfügung, in denen folgende Abfälle gesammelt werden können:

  • Glasflaschen
  • PET- und PE-Flaschen
  • Dosen aus Aluminium und Blech
  • Batterien und Akkus
  • Kaffeekapseln aus Aluminium (z.B. Nespresso)
  • kleine Elektronikgeräte, Kabel, Ladegeräte (nur Firmenkunden)
  • Toner- und Printmodule (nur Firmenkunden)

Die Green Bags müssen dann nur noch am Abholtag (je nach Abo ein- oder zweimal monatlich) vor die Haustüre gestellt werden, wobei Mr. Green freundlicherweise vorgängig ein Reminder-SMS verschickt. Derzeit konzentriert sich das Angebot auf den Grossraum Zürich.

WWF Click Standby-Killer: Schaltgerät und Funk-Fernbedienung

Der Click Standby-Killer ist zunächst ein universeller Stromschalter, den man per Funk-Fernsteuerung bequem ein- und ausschalten kann. Er wird wie ein Verlängerungskabel zwischen der Steckdose und einem elektrischen Gerät bzw. einer Steckerleiste angebracht.

An der Fernsteuerung (die über Solarzellen mit Energie versorgt wird) kann man zugleich den aktuellen Stromverbrauch ablesen – und zwar bis zu einer Leistung von 2’300 Watt bei einer Genauigkeit von +/- 5 Prozent. Das ermöglicht es, alle gängigen Haushaltgeräte auf ihren Stromhunger zu untersuchen, insbesondere auch im Standby-Modus. Das ist nämlich auch der Hauptzweck des Geräts: Es hilft, unnötigen Energieverbrauch durch elektroische Geräte im Standby aufzuspüren und solche Geräte vollständig abzuschalten. Die Funk-Fernsteuerung macht die Sache so bequem, dass man auch bei schwer zugänglichen Steckdosen bzw. Steckerleisten keine Ausrede mehr hat, Geräte vom Netz zu trennen.

Der Click Standby-Killer ist beispielsweise beim WWF erhältlich, er wird aber auch von Elektrizitätswerken und im Elektrofachhandel vertrieben.

P.S. Ein durchschnittlicher Haushalt kann 10 Prozent Strom sparen, wenn man den Standby-Verbrauch konsequent eliminiert – vgl. den TopTen Ratgeber zum Thema Standby.

10 Mai, 2011

Warum Produkte kaputt gehen

Autor: Martin Sauter In: Allgemein

Was haben Glühbirnen, Damenstrümpfe und Tintenstrahldrucker gemeinsam? Allen drei sind prominente Beispiele für Produkte, die von ihren Herstellern absichtlich so konstruiert wurden, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputt gehen und deshalb ersetzt werden müssen. Dadurch sollen der Konsum angekurbelt und die Umsätze der Hersteller langfristig gesichert werden. Das ist gut für das Wirtschaftswachstum, aber schlecht für die Konsumenten und total unsinnig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein Konzept der Industrie, das sogar einen Namen hat: geplante Obsoleszenz. Die Arte-Dokumentation zeigt, wie dieses Prinzip seit bald 100 Jahren systematisch angewandt wird. Der kurzlebige, nicht austauschbare Akku von Apples iPod ist da nur das letzte prominente Beispiel.

Parkingmate

Ist es nachhaltig, wenn man es Autofahrern erleichtert, einen freien Parkplatz zu finden? Nein, wenn man den motorisierten Privatverkehr generell als eine nicht nachhaltige Form der Fortbewegung betrachtet. Ja, wenn man davon ausgeht, dass Autos zu unserer täglichen Realität gehören und dass es sinnvoll ist, wenn diese möglichst wenig Parkplatz-Suchverkehr erzeugen und die wenigen Parkplätze möglichst gut auslasten.

Nachhaltigkeit steht bei Parkingmate nicht im Vordergrund – das unterscheidet die Plattform beispielsweise von PolyPort, einem anderen Schweizer Startup im Verkehrsbereich. Parkingmate will Autofahrern ganz einfach den Zugang zu einem privaten Parkplatz an einem beliebigen Zielort ermöglichen. Trotzdem kann man Parkingmate auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt betrachten, denn die effiziente Nutzung von knappen Ressourcen ist ein Grundanliegen von Sustainability.

Das Ganze funktioniert nach dem Community-Prinzip: Wer seinen eigenen Parkplatz zur Verfügung stellt, darf dafür einen anderen mitbenutzen. Wer keinen eigenen Parkplatz in den Pool einbringen kann, darf zwar ebenfalls fremde Parkplätze mitbenutzen, zahlt aber mehr. Die Preise werden vom System aufgrund von Angebot und Nachfrage berechnet – begehrte Plätze sind also teurer, und wer nur einen Parkplatz am Dorfrand von Hinterpfupfikon beisteuert, zahlt drauf, wenn er seinen Wagen im Zürcher Seefeld abstellen möchte.

Wie bei vielen Online-Plattformen steht und fällt das Konzept mit der kritischen Masse. Wer momentan in Zürich einen Parkplatz sucht, findet nur gerade vier Angebote – in Aarau und Bern gibt es im Moment noch kein einziges Angebot. Allerdings wurde Parkingmate erst gerade lanciert – was nicht ist, kann also noch werden.

Über «Prima Idee!»

«Prima Idee!» ist ein Blog mit Ideen aller Art, die unseren Alltag positiv verändern. Es geht um Kreativität und Nachhaltig in jenem Rahmen, den wir als Konsumentinnen und Konsumenten mitgestalten können.

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