Nicht mehr benötigte oder defekte Gegenstände zu rezyklieren ist zwar eine gute Idee, aber nicht zwangsläufig die beste. Auch Recycling beansprucht Ressourcen, und viel zu oft entsorgen wir Objekte, die entweder noch jemand anders hätte benutzen können oder die man mit vertretbarem Aufwand hätte reparieren können. “Reuse – Repair – Recycle!” lautet deshalb die Devise für nachhaltig denkende Konsumenten, und die Reihenfolge ist dabei alles andere als beliebig.
Nach meiner persönlichen Wahrnehmung werden in Industrienationen defekte Konsumgüter viel seltener repariert als noch vor ein paar Jahrzehnten. Der Satz, dass sich eine Reparatur nicht lohne, haben wir von umsatzorientierten Verkäufern schon so oft gehört, dass wir ihn selbst verinnerlicht haben uns meist gar nicht erst um eine Reparatur bemühen. Dabei bieten zumindest Markenhersteller vielfach über einen langen Zeitraum Ersatzteile für ihre Produkte an.
Zwei positive Beispiele aus eigener persönlicher Erfahrung:
- Unser Staubsauger, ein Miele 272i, leistet seit über 20 Jahren gute Dienste. Kürzlich brach allerdings das Vorderrad, das bei der Fahrt über die hohen Schwellen unserer Altbauwohnung besonders strapaziert wird. Ohne das Vorderrad jedoch hinterliess der Staubsauger hässliche Furchen im Parkett, und somit wäre er ein Fall für den Elektroschrott geworden, hätte Miele nicht das Vorderrad noch immer vorrätig gehabt. Statt ein paar hundert Franken für ein neues Gerät hat die Reparatur zudem nur sechzig Franken (Arbeit und Material) gekostet.
- Auch mein Kopfhörer, ein Sennheiser HD 560 Ovation II, ist seit bald 20 Jahre in Gebrauch. Sein Klang ist unverändert hervorragend, aber die Ohrenpolster waren irgendwann dermassen verbraucht, dass der Tragekomfort massiv litt; ausserdem zerfielen die Schaumstoffabdeckungen buchstäblich zu Staub. Dank Internet waren jedoch neue Original-Ohrpolster rasch bestellt – und auch hier war der an sich stolze Preis (40 Euro inkl. Versand) weitaus günstiger als der Kauf eines neuen Kopfhörers mit vergleichbarer Qualität.
Eins muss man sich als Konsument allerdings bewusst sein: Die Entwicklung von reparaturfreundlichen Geräten, die Lagerhaltung von Ersatzteilen und der Betrieb eines Servicenetzes kostet Geld, und das schlägt sich im Kaufpreis der Produkte nieder. Wer nur Schnäppchen kauft darf sich nicht wundern, wenn er bei einem Defekt das gesamte Produkt ersetzen muss.